TSR-Impressionen 2017 - Die Aglaia und ich, eine schwankende Angelegenheit (Abitur-Reise von Klara Müller)
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TSR-Impressionen 2017 - Die Aglaia und ich, eine schwankende Angelegenheit (Abitur-Reise von Klara Müller)


Als ich im Sommer 2017 zustimmte, eine Woche auf der Aglaia von Klaipeda nach Stettin zu segeln, wusste ich nicht wozu ich ja sagte. Wahrscheinlich sagte ich ja zu einer Woche Wegsein nach dem Abitur, ja zum Unterwegs sein zum Meer und zu einer romantisierten Erinnerung an das Segeln auf dem Wannsee in meiner Kindheit. Jedoch blieb ich nicht lange in diesem Irrglauben.
Meine Stimmung wandelte sich in den Wochen vor dem Start von Vorfreude zu Angst. Ich hatte ein Bild im Kopf, in dem ich als einzige Laiin unter elf Segelprofis und Freaks eine vollkommene Blamage hinlegen würde (und das, obwohl unser Skipper Heiko meinte: alles locker "learning by doing").
Dann kippte die Furcht in Entschlossenheit und Ehrgeiz über. Ich beschloss es allen und mir an erster Stelle zu zeigen. Ich würde der am schnellsten lernende und am härtesten anpackende "Mann" an Bord sein. Ich würde tun und machen, was man auf einem Segelboot halt so macht, nicht zur Last fallen und das Boot auch nicht zum Kentern bringen.
Als wir zu zweit nach 24 Stunden Busfahrt und ohne Schlaf in Klaipeda ankamen (ich werde nie wieder versuchen mit dem Bus in Polen unterwegs zu sein...) war dieser Tatendrang nicht etwa verflogen sondern stärker denn je. Wir würden uns unseren Schlafmangel nicht anmerken lassen und sofort in See stechen!

Auf geht’s Matrosen! ...
... Naja was soll man sagen, unser Tatendrang lief ins Leere. Es war Pausentag, wir würden nicht vor morgen Mittag auslaufen. Die eine Hälfte der Crew war nicht an Bord, die andere schlief noch. Bei einer Regatta, wie der Tall-Ship-Race, treffen zwei Extreme aufeinander. Entweder man ist Tag und Nacht auf dem Wasser, sieht nur seine Crew und 360° Wasser oder du liegst drei Tage lang im Hafen, bist umgeben von tausenden Touristen und siehst 360° nur Fressbuden, Jahrmarktstände und gigantische Schiffe.
Das große Volksfest in Klaipeda hatten wir um einen Tag verpasst und so war der Crewwechseltag wirklich ruhig. Als alle Mitglieder der neuen Crew da waren und wir noch zwei weitere Personen der letzten Etappe überzeugen konnten mitzusegeln, waren wir zu neunt. Vier von uns Frauen, was anscheinend nicht oft vorkommt. Zum Abend hin wurden wir sogar noch relativ aktiv. Es gab eine Sicherheitseinweisung, eine Besprechung und Schichteinteilung.

... auf's Meer hinaus - mit "Fische füttern"!
Am nächsten Tag ging es dann unter lautem Gejubel und Törööö mit den anderen Schiffen aufs Meer hinaus. Ich muss hier noch mal klar sagen: unser Horn war eindeutig das lauteste!!
Das Meer empfing uns mit richtig miesem Wetter. Was uns die geplante Festparade für die Zuschauer ziemlich versaute. Wir hissten halbherzig die Segel, was gar nicht so schwer war, da wir zu neunt waren und ich nichts kaputt machen konnte. Dann schipperten wir langsam Richtung Startlinie, die wir erst nach einer ganzen Weile überfahren durften.
Von hier an wird meine Sicht der Fahrt etwas getrübt, denn nach der ersten halben Stunde auf dem Wasser wurde mir bereits mulmig zumute und als wir zum ersten mal kochten, war mir schon so richtig übel und ich "fütterte die Fische", wie es bei uns hieß.
Zu der Verteidigung meines Magens muss ich sagen: wenn ich im Nachhinein zurückdenke, war die Aglaia unter diesen Umständen nicht die beste Wahl für mich als Segelanfängerin. Zwar ist die Aglaia eine richtige Lady, die bestimmt viele Geschichten zu erzählen hat, aber gleich fünf Tage und Nächte auf dem Meer zu verbringen und das bei dem Wetter, das wir die nächsten Tage antrafen und die Aglaia wie eine Nussschale über die zwei Meter hohen Wellen jagte, war das nicht der sanfteste Einstieg.

Learning by doing - vom Segelsetzen bis zum Navigieren
Wir hatten uns in drei Schichten je drei Personen eingeteilt, sodass wir immer zwei mal vier Stunden am Tag die Steuerung des Schiffes übernahmen. Mit Erleichterung stellte ich fest, dass die Aufgaben wirklich - wie Heiko gesagt hatte - "learning by doing" zu schaffen waren. Es musste gesteuert und bei ungünstigem Wind gekreuzt werden. Das war zu schaffen. Ab und zu wurden größere Aktionen verlangt, ein neues Segel setzen, niederholen oder anderes und wir bekamen es immer hin, die waghalsigsten Kommandos bei schlechtestem Wetter zu machen.
Zusätzlich musste natürlich der Kurs festgelegt werden und sich nach dem Wetter gerichtet werden. Bis auf eine Einführung in die Routenplanung nach Voraussagen der unterschiedlichen Windrichtungen habe ich mich nicht viel mit unserem Navigationssystem beschäftigt, was ich im Nachhinein schade finde, da ich bestimmt die Möglichkeit bekommen hätte.

Der Blick zum unendlichen Horizont läßt Verstummen
Ich verbrachte die meiste Zeit und bei jedem Wetter an Deck und starrte auf den Horizont. Wenn ich dann doch unbedingt schlafen musste und es an Deck zu ungemütlich wurde, sprintete ich nach unten, schmiss mich in meine Kajüte und kniff die Augen zu. Wenn meine Augen unter Deck keinen Horizont sahen und meinten alles stehe still, dann schrie mein Gleichgewichtssinn aus vollem Halse neiiiin, alles schwankt wie irre, worauf hin mein Magen sehr verwirrt war und unbedingt Fische füttern wollte. Ich konnte jedoch meine Schichten halbwegs einhalten und die Fahrt trotzdem genießen. Ich erinnere mich noch gut an eine Nachtschicht. Es war gutes Wetter, ein sternenklarer Himmel, das Wasser war pechschwarz, mit einzelnen Lichterreflektionen verziert. Wir schwiegen einvernehmlich und es war ein tolles und sogleich beängstigendes Gefühl. Zusammen mit ein paar wenigen Menschen auf einem winzigen Schiff in mitten eines gigantischen Tintenfasses. Kein Horizont, keine Geräusche von anderen Lebewesen, nur dem Wind und Wasser ausgesetzt.
Eine andere Situation wurde irgendwann zur Gewohnheit.

Der Heiko mit der Pfeife
Man saß an Deck und plötzlich nahm man einen würzigen Geruch wahr, der hier keinesfalls hergehörte. Schaute man zur Luke, stand dort unser Skipper Heiko und rauchte seine Pfeife. Die Ruhe in Person, schaute er sich das Wetter an, schaute sich die Segel an und noch mal aufs Meer hinaus. Nach einer Weile verschwand er wieder unter Deck. Kurz später tauchte sein Kopf wieder auf und er musterte den Teil der Crew der gerade wach war. Er verschwand wieder und dann war die Entscheidung gefallen: "wir holen das Klüversegel ein" oder Ähnliches.
Das Wetter wurde über die Tage nicht besonders viel besser oder hilfreicher. Irgendwann wurde es zu unserem Ziel, es rechtzeitig zur Crewparty nach Stettin zu schaffen. Echte Segler-Ambitionen! Als das Wetter uns schließlich so zusetzte, dass wir den Motor anmachen mussten, war es einerseits eine Erleichterung, da wir geradewegs auf festes, nicht schwankendes Land zusteuern konnten, andererseits war ich auch enttäuscht, dass wir es nicht mit reiner Windkraft geschafft hatten.
Der Motor machte das Schlafen für die letzte Nacht noch einmal so richtig schön ungemütlich. Nun lag man also nicht nur in einer beängstigend kleinen Kajüte und hatte Angst, jeden Moment rauszufallen oder am Geruch und Sauerstoffmangel zu ersticken, nein es hörte sich zusätzlich auch noch an, als läge man auf einem Hubschrauberlandeplatz.

Anlegemanöverschluck und warme Dusche
So legten wir also noch das letzte Stück zurück und kamen irgendwann in den frühen Morgenstunden ans Festland, wo das traditionelle Anlegerbier auch in Herrgotts Frühe getrunken wurde. Das hat mich sehr beeindruckt.
Am nächsten Tag empfing uns Stettin mit gleißendem Sonnenschein, einem riesigen Menschenauflauf, einer Fressmeile und einem mega Jahrmarkt. Aber das Einzige was uns interessierte waren die Duschen. Man kann sich gar nicht vorstellen, was eine einfache warme Dusche einem bedeuten kann.
Danach streunten wir ein wenig ziellos in Stettin herum und wurden abends auf die Crewparty geführt. Das war auch relativ lustig - inmitten uniformierter Matrosen und allerlei verschiedener Menschentypen, die drei Stunden Macarena tanzen konnten. Dann noch eine letzte Nacht auf der fast gar nicht mehr schwankenden Aglaia und dann im Flixbus nach Hause. Mein letztes Gefühl war Wehmut, ich wollte die Crew und die Aglaia eigentlich noch gar nicht verlassen und gleich noch eine Etappe mitfahren.
Es hieß, es gäbe nächstes Jahr noch eine Tour nach Norwegen. Und ich überlegte mir schon, wie ich wieder mitfahren könnte. Das sah vor ein paar Tagen noch ganz anders aus, als ich im Nieselregen in der Nacht versucht hatte, an Deck ein wenig zu schlafen. Aber was soll´s, man erinnert sich doch eh nur an die schönen Seiten und will es gleich wieder machen, egal wie selbstzerstörerisch das auch sein mag.


Also Aglaia: wir sehen uns wieder!!

( kM / hU / kl )

 

 


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