2014.11.03 - Die "Sonderklasse": 110 Jahre Segelgeschichte
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2014.11.03 - Die "Sonderklasse": 110 Jahre Segelgeschichte


Auch mehr als 110 Jahre nach dem Stapellauf der ersten Sonderklasse im Jahr 1900 begeistern und faszinieren diese schönen Yachten. Niemand kann sich dem Reiz dieser Schiffe entziehen und schon mancher wurde beobachtet, als er verstohlen mit den Fingerspitzen über die herrlichen Linien strich.

Als 1900 über Initiative des Deutschen Kaisers Wilhelm II die Sonderklasse ins Leben gerufen wurde, ahnte niemand, dass damit eine neue Ära des Segelsportes begonnen wurde. Erstmals sollten Amateure, was damals revolutionär war, nach einer einfachen Formel ohne Vergütung gegeneinander Regatten segeln. Diese Amateure sollten aber schon Herrensegler sein, die nicht mit eigener Hände Arbeit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Damit wollte man Arbeiter und Handwerker von vornherein ausschließen, Zielgruppen waren das gehobene Bürgertum und die Aristokratie. In den Regeln war somit erstmalig in der Sportgeschichte der Amateurstatus der Mannschaft festgelegt.

Die Sonderklasse entwickelte sich in wenigen Jahre zur ersten internationalen Klasse überhaupt, wurde sie doch in Deutschland, Österreich, England, Spanien, Schweden, Dänemark, Niederlande, Belgien, Frankreich und den USA schon vor dem ersten Weltkrieg gesegelt. Sie entwickelte sich zur wichtigsten und teilnehmerstärksten Klasse der Kieler-Woche, auch heute noch die größte Segelsportveranstaltung der Welt. 

Das wilhelminische Deutschland nützte diese internationale Ausrichtung auch für politische Zwecke. So wurden ab 1906 Deutsch-Amerikanische Wettfahrten abwechselnd in Kiel und Boston initiiert, für die vom Deutschen Kaiser und dem jeweiligen amerikanischen Präsidenten wertvolle Silberpokale gestiftet wurden. Zur gleichen Zeit entwickelten sich Spanisch-Amerikanische Wettfahrten, die nach demselben Muster ausgerichtet wurden. Bei Sonderklasseregatten trafen sich gekrönte Häupter, Präsidenten und höchste Repräsentanten der jeweiligen Länder, um sich in entspannter Atmosphäre auszutauschen.

Bereits 1905 kam mit PANTHER die erste Sonderklasse nach Österreich an den Attersee. Noch vor dem Ersten Weltkrieg folgten weitere. Die Sonderklasse-Yachten sind seit damals fixer Bestanteil der Atterseewoche, die erstmals 1887 ausgetragen wurde. Bis auf die kriegsbedingten Unterbrechungen werden seit nunmehr 110 Jahren, also bis heute, Sonderklasse-Regatten am Attersee ausgetragen.

Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich auch auf dem Wolfgangsee eine sehr aktive Sonderklasse-Szene. Höhepunkt waren die Jubiläumswettfahrten anlässlich des 50 Jahre Jubiläums des Union-Yacht-Clubs, an dem 10 Sonderklasseyachten vom Attersee und Wolfgangsee teilnahmen.

Als der Union-Yacht-Club Anfang der 1920iger Jahre in den D.S.Vb aufgenommen wurde, entbrannte eine heftige Diskussion über die Sonderklasse. Die deutschen Vertreter wollte die Sonderklasse zur Altersklasse machen, was zur Folge gehabt hätte, dass weder Neubauten gestattet noch Klassenregatten zulässig gewesen wären. Auf Grund des heftigen Widerstandes der österreichischen Vertreter zum Deutschen Seglertag, gelang es 1927, einen Kompromiss zu erreichen, der die weitere Austragung von Sonderklassen-Regatten erlaubte, nicht jedoch Neubauten. Mit der Machtübernahme Hitlers 1933 in Deutschland und der Gleichschaltung aller Lebensbereiche, also auch des Segelns, wurde die Sonderklasse endgültig zur Altersklasse, nicht jedoch in Österreich, wo der bisherige Status aufrecht gehalten wurde. An diesem Status änderte sich offensichtlich auch nach dem Anschluss 1938 nichts, obwohl damit auch alle „Reichsregeln“ zu übernehmen gewesen wären . Trotzdem wurden während der Kriegsjahre sowohl am Attersee als auch am Wolfgangsee Kriegswettfahrten in der Sonderklasse durchgeführt. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bereits 1946 erstmals eine Österreichische Staatsmeisterschaft in der Sonderklasse am Wolfgangsee veranstaltet. Bis 1962 wurden jährlich Staatsmeisterschaften vor allem am Wolfgangsee und ab den späten Fünfzigerjahren auch am Attersee durch geführt. Ein Staatsmeistertitel in der Sonderklasse war damals der bedeutendste Titel im österreichischen Segelsport. In den Fünfzigerjahren verfügte der Wolfgangsee über 13 Sonderklasse-Yachten, der Attersee über neun. Durch einen radikalen Wandel der Segelsportpolitik des UYC Wolfgangsee wurden ab 1961 keine Sonderklasse-Regatten mehr veranstaltet. Erst seit 2009 segeln die Sonderklasseyachten wieder eigene Wettfahrten am Wolfgangsee. 

Anders am Attersee: Zur bestehenden Flotte stießen weitere Schiffe hinzu, die Sonderklasseregatten waren und sind es bis heute, der Höhepunkt des Segelsommers.

Ab den 1980er Jahren tauchten auch auf den süddeutschen  Seen vereinzelt wieder Sonderklassen auf. Mit der 1986 gegründeten Internationalen Sonderklasse Klassenvereinigung wurde der bis heute andauernden Entwicklung Rechnung getragen. So sind heute 29 Schiffe bekannt, von denen ca. 24 noch unter Segel sind. Seit 2014 werden im Rahmen der Atterseewoche auf Grund der inzwischen wieder sehr stattlichen Teilnehmerzahl auch wieder Österreichische Meisterschaften ausgetragen.

Soeben erschienen:
"SONDERKLASSE - Die schönsten Binnenyachten"
Von Dr. Thomas Richter und Mag. Gert (Blondl) Schmidleitner
KP Publishing, Wien 2014, ISBN 978-3-903015-01-2, 224 Seiten, 168 farbige und 43 s/w Abbildungen, geb., € 48,00, s.neuhauser[at]fhsaustria.org

( hK / kl )
 


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